Schweißerlaubnis & heiße Arbeiten

Bei Schweiß-, Trennschleif- und Brennschneidarbeiten außerhalb dafür eingerichteter Arbeitsplätze verlangt das DGUV-Regelwerk wegen der Brandgefahr einen schriftlichen Erlaubnisschein für feuergefährliche Arbeiten, die DGUV stellt dafür den Mustervordruck FBFHB-008 bereit (Stand 12/2025); Schutzanforderungen nennt auch die VdS 2047. Fehlt der Schein oder die Gefährdungsbeurteilung, kann der Versicherer die Leistung nach einem Brand kürzen oder ganz verweigern. Für Metallbaubetriebe ist das einer der wichtigsten Prüfpunkte im gesamten Versicherungsschutz, wenn der Vertrag eine solche Obliegenheit, also vertragliche Verhaltenspflicht, enthält.

Metallbauer beim Schweißen eines Stahlgeländers, Funkenflug in der Werkstatt

Warum ein Blatt Papier über die Existenz Ihres Betriebs entscheiden kann

Ein gewöhnlicher Montagetag: Ihr Team montiert eine Stahltreppe in einer Gewerbehalle. Für zwei Anschlüsse kommt der Trennschleifer zum Einsatz. Die Funken fliegen, einige davon hinter eine Wandverkleidung, wo sie niemand sieht. Um 16 Uhr ist die Baustelle besenrein verlassen, um 23 Uhr brennt die Halle.

Die Physik dahinter ist bekannt und tückisch: Funkenflug reicht weiter, als die meisten annehmen, und Schwelbrände können sich erst Stunden nach Arbeitsende zeigen. Die VdS 2047 nennt deshalb konkrete Schutzabstände, eine Brandwache und eine Nachkontrolle nach Arbeitsende.

Nach dem Brand prüft der Versicherer zuerst die Dokumente: Gab es einen schriftlichen Erlaubnisschein für diese Baustelle? Liegt eine Gefährdungsbeurteilung vor? War ein Brandposten eingeteilt, ist die Nachkontrolle dokumentiert? Fehlen diese Nachweise, steht eine Obliegenheitsverletzung im Raum. Nach § 28 VVG kann der Versicherer die Leistung dann je nach Schwere des Verschuldens kürzen, bei Vorsatz ganz verweigern. Eine Ausnahme regelt § 28 Abs. 3 VVG: Weist der Betrieb nach, dass die Verletzung weder für den Eintritt noch für die Höhe des Schadens ursächlich war, bleibt der Versicherer leistungspflichtig, außer bei Arglist. Bei Brandschäden, die schnell sechs- oder siebenstellig werden, entscheidet dieses eine Blatt Papier darüber, ob der Betrieb weiterbesteht.

Ausdrückliche Obliegenheiten für feuergefährliche Arbeiten können in der Betriebshaftpflicht und in der Inhaltsversicherung stehen, in den Besonderen Bedingungen, die kaum jemand liest, bevor etwas passiert. Ob Ihre Verträge eine enthalten, zeigt nur der Blick hinein.

Warum heiße Arbeiten so heikel sind Warum heiße Arbeiten so heikel sind Brandwache – Nachkontrolle nach Arbeitsende Schweißarbeit endet Stunden später Schwelbrand bricht aus Funkenflug reicht weit, Schwelbrände zeigen sich erst Stunden später – ohne Erlaubnisschein und Brandwache kürzt der Sachversicherer.

Was der Erlaubnisschein regelt

Der Erlaubnisschein ist kein Bürokratie-Selbstzweck, sondern eine Checkliste, die die typischen Brandursachen bei heißen Arbeiten der Reihe nach abarbeitet. Der DGUV-Mustervordruck FBFHB-008 fasst als Muster zusammen, was vor, während und nach den Arbeiten geregelt sein muss, Betriebe können ihn unverändert übernehmen oder an ihre Abläufe anpassen:

  • Erlaubnisschein je Einsatzort: schriftlich und vor Arbeitsbeginn, für jede Montagestelle einzeln, nicht pauschal für das ganze Jahr.
  • Gefährdungsbeurteilung: Welche Brandlasten sind vorhanden? Was kann entfernt werden, was muss abgedeckt oder angefeuchtet werden?
  • Gefährdungsbereich freiräumen: brennbare Stoffe im festgelegten Umkreis entfernen, abdecken oder anfeuchten, die VdS 2047 nennt hierfür konkrete Schutzabstände.
  • Brandposten: eine Person mit geeignetem Löschgerät, deren Aufgabe während der Arbeiten allein die Brandwache ist.
  • Nachkontrolle: Brandwache nach Arbeitsende über die im Erlaubnisschein festgelegte Dauer, dokumentiert mit Uhrzeit und Namen.

Prüfpunkt, drei Fragen an Ihren Betrieb: Liegt der DGUV-Mustervordruck FBFHB-008, oder ein gleichwertiger Erlaubnisschein, in Ihren Montagefahrzeugen? Wird die Nachkontrolle nach Arbeitsende mit Uhrzeit und Namen dokumentiert? Und kennt Ihre Police eine ausdrückliche Obliegenheit für feuergefährliche Arbeiten, und welche Rechtsfolge nennt sie für den Verstoß? Wenn Sie die dritte Frage nicht beantworten können, sollte Ihre Police gelesen werden.

Einschätzung von Jan Pohl

Jan Pohl, Versicherungsmakler für Metallbau-, Schlosserei- und Stahlbaubetriebe in Aachen

„Kaum ein Punkt kostet im Metallbau so schnell den Versicherungsschutz wie eine verletzte Feuer-Obliegenheit. Wenn der Sach- oder Feuervertrag ein Erlaubnisschein-Verfahren verlangt, muss der Betrieb es nicht nur kennen, sondern im Alltag dokumentiert einhalten – Gefährdungsbeurteilung, Schutzmaßnahmen, Brandwache nach Arbeitsende. Ich schaue deshalb zweierlei an: ob der Vertrag eine solche Obliegenheit überhaupt enthält und wie streng sie gefasst ist, und ob der Betrieb sie in der Praxis belegbar umsetzen kann. Der beste Feuerschutz nützt wenig, wenn im Schadenfall der Nachweis fehlt.“

Jan Pohl · Versicherungsmakler, Aachen
Worauf ich zuerst schaue: Feuer-Obliegenheit im Vertrag (ob und wie streng) · Erlaubnisschein + Gefährdungsbeurteilung · Brandwache/Nachkontrolle, dokumentiert

Häufige Fragen

Brauche ich den Erlaubnisschein auch in der eigenen Werkstatt?

An ständigen, für Schweißarbeiten eingerichteten Arbeitsplätzen in der Werkstatt in der Regel nicht. Außerhalb solcher Arbeitsplätze, auf der Baustelle, in der Halle des Kunden, aber auch an wechselnden Plätzen im eigenen Betrieb, sieht das DGUV-Regelwerk wegen der Brandgefahr den schriftlichen Erlaubnisschein vor.

Reicht die mündliche Freigabe des Bauleiters?

Nein. Der Erlaubnisschein muss schriftlich vorliegen und die festgelegten Schutzmaßnahmen benennen. Eine mündliche Absprache lässt sich nach einem Brand nicht nachweisen, und im Streit um die Leistung entscheidet die Beweislage.

Wie lange muss die Nachkontrolle dauern?

Die VdS 2047 sieht eine Nachkontrolle nach Arbeitsende vor und nennt hierfür konkrete Anforderungen. Die Dauer wird in der Gefährdungsbeurteilung festgelegt und im Erlaubnisschein eingetragen; sie richtet sich nach Brandlasten und Umgebung. Der Grund: Schwelbrände können sich erst Stunden nach Arbeitsende zeigen.

Was passiert, wenn es brennt und der Schein fehlt?

Dann steht eine Obliegenheitsverletzung im Raum. Nach § 28 VVG kann der Versicherer die Leistung bei grob fahrlässiger Verletzung in einem der Schwere entsprechenden Verhältnis kürzen, bei Vorsatz ganz verweigern. Gelingt der Nachweis, dass die Verletzung weder den Eintritt noch die Höhe des Schadens beeinflusst hat, bleibt die Leistungspflicht bestehen (§ 28 Abs. 3 VVG), außer bei Arglist. Wie Ihre Police den Fall regelt, hängt vom konkreten Wortlaut der Bedingungen ab, genau das gehört in die Prüfung.

Ob Ihre Verträge eine ausdrückliche Feuer-Obliegenheit enthalten und welche Rechtsfolge dort steht, zeigt der Policen-Check, schriftlich, anhand Ihrer tatsächlichen Versicherungsbedingungen.

Wurde Ihr Schaden bereits gekürzt oder abgelehnt? Auf der Seite Schaden nicht gezahlt steht, was sich jetzt noch prüfen lässt.

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Quellen: DGUV-Mustervordruck FBFHB-008 „Erlaubnisschein für feuergefährliche Arbeiten“ (Stand 12/2025) · VdS 2047 „Sicherheitsvorschriften für feuergefährliche Arbeiten“ · § 28 VVG (Rechtsfolgen bei Verletzung vertraglicher Obliegenheiten; Kausalitätsgegenbeweis nach Abs. 3). Stand dieser Seite: 07/2026.

Das Schadenbeispiel ist realitätsnah konstruiert und bezieht sich nicht auf konkrete Schadenakten. Diese Seite ersetzt keine Rechtsberatung und keine Prüfung Ihrer Versicherungsbedingungen. Ob und in welcher Höhe Versicherungsschutz besteht, hängt von Tarif, Bedingungen, Obliegenheiten und Schadenhergang ab.