Betriebshaftpflicht für Metallbaubetriebe

Das Wichtigste in Kürze: Eine gesetzliche Pflicht zur Betriebshaftpflicht besteht für Metallbaubetriebe nicht. Faktisch ist sie der Mindeststandard der Branche: Auftraggeber und Generalunternehmer verlangen vor der Vergabe einen Deckungsnachweis, und ein einziger Personenschaden auf der Baustelle kann Forderungen in existenzbedrohender Höhe auslösen. Entscheidend ist der Inhalt der Police – nach den marktüblichen Musterbedingungen (§ 4 AHB) sind Tätigkeitsschäden an fremden Sachen im Grundwerk ausgeschlossen und müssen ausdrücklich wieder eingeschlossen werden.

Ein Schadenszenario: Montage, Gerüst, Passant

Ein Metallbaubetrieb montiert Geländerfelder an den Balkonen eines Mehrfamilienhauses. Beim Anheben über das Gerüst löst sich ein Feld aus der Anschlagung, kippt über die Gerüstkante und trifft einen Passanten auf dem Gehweg. Die Folge: ein Personenschaden mit Klinikaufenthalt, Verdienstausfall und Schmerzensgeld – dazu ein beschädigtes Fahrzeug am Straßenrand. Der Geschädigte hält sich an den Betrieb, und bleiben Dauerfolgen, laufen die Forderungen über Jahre.

Genau hier liegt die Aufgabe der Betriebshaftpflicht: Sie soll die Haftungsfrage prüfen, unberechtigte Ansprüche abwehren – notfalls vor Gericht – und den Betrieb bei berechtigten Ansprüchen freistellen. Das Beispiel ist realitätsnah konstruiert und bezieht sich nicht auf einen konkreten Schadenfall.

Was die Betriebshaftpflicht im Metallbau abdecken kann

Versichert ist die betriebliche Tätigkeit – vom Zuschnitt in der Werkstatt über den Transport bis zur Montage auf der Baustelle. Je nach Tarif und Vereinbarung kann die Betriebshaftpflicht absichern:

  • Personenschäden: Verletzung oder Tod Dritter durch die betriebliche Tätigkeit – das teuerste Risiko, weil Behandlungskosten, Verdienstausfall und lebenslange Renten zusammenkommen können.
  • Sachschäden: Beschädigung fremder Sachen, die nicht Gegenstand Ihrer Arbeit sind – das Fahrzeug unter dem Gerüst, die Verglasung des Nachbargebäudes.
  • Vermögensfolgeschäden: finanzielle Folgen aus einem versicherten Personen- oder Sachschaden, etwa Nutzungsausfall oder Verdienstausfall des Geschädigten.
  • Passive Rechtsschutzfunktion: die Abwehr unberechtigter Forderungen auf Kosten des Versicherers.

Was die Betriebshaftpflicht nicht abdeckt

Tätigkeitsschäden: im Grundwerk ausgeschlossen

Schäden an genau den fremden Sachen, an oder mit denen Sie arbeiten – die Fassade, in die Sie dübeln, das Torblatt, das Sie richten –, sind nach den marktüblichen Musterbedingungen ausgeschlossen. Dort heißt es:

„Ansprüche wegen Schäden an fremden Sachen …, wenn die Schäden durch eine gewerbliche oder berufliche Tätigkeit des Versicherungsnehmers an diesen Sachen (Bearbeitung, Reparatur, Beförderung, Prüfung und dgl.) entstanden sind …“ – Grundausschluss nach § 4 AHB (GDV-Musterbedingungen)

Dieser Ausschluss wird erst durch Besondere Bedingungen wieder aufgehoben – für Bearbeitungsschäden, Be- und Entladeschäden und Leitungsschäden. Ob und in welchem Umfang das in Ihrer Police geschehen ist, entscheidet im Metallbau über die Brauchbarkeit des ganzen Vertrags. Die Einzelheiten stehen auf der Seite Tätigkeitsschäden im Metallbau.

Der Erfüllungsanspruch: nicht versicherbar

Der Anspruch Ihres Kunden auf ein mangelfreies Werk – Nachbesserung, Neulieferung, Selbstvornahme, Minderung – ist nach den marktüblichen Musterbedingungen ausgeschlossen; ein Wiedereinschluss ist nicht vorgesehen. Wird das Geländer krumm geliefert, ist das Geraderichten unternehmerisches Risiko, kein Versicherungsfall.

Schäden durch das übergebene Werk

Zur Abgrenzung: Die Betriebshaftpflicht trägt die Tätigkeit und den Betrieb. Verursacht dagegen das fertige, verbaute Werk nach der Übergabe einen Schaden – die montierte Treppe löst sich, das Geländer gibt nach –, ist das der Bereich der Produkthaftpflicht. Diesen Teil des Risikos behandelt die Seite Produkthaftpflicht & Aus- und Einbaukosten für Metallbau.

Prüfpunkte für Ihre Police

Prüfpunkte – schauen Sie in Ihre Police:

  • Tätigkeitsschäden: Sind Schäden an fremden Sachen, an oder mit denen Sie arbeiten, ausdrücklich wieder eingeschlossen – und mit welcher Entschädigungsgrenze?
  • Be- und Entladeschäden: Sind Schäden beim Abladen mit Kran oder Stapler beim Kunden erfasst?
  • Leitungsschäden: Sind Schäden an Erdkabeln und Leitungen beim Bohren, Stemmen und Setzen von Fundamenten eingeschlossen?
  • Deckungssumme: Reicht sie für die höchste Anforderung Ihrer Auftraggeber? Nachunternehmerverträge und Ausschreibungen nennen konkrete Mindestsummen – ein zu niedriger Wert kann den Auftrag kosten.
  • Nachhaftung: Mängelansprüche verjähren bei Bauwerken nach § 634a BGB erst nach fünf Jahren ab Abnahme. Ist geregelt, wie Ansprüche behandelt werden, die nach Vertragsende oder Betriebsaufgabe erhoben werden?

Solo-Betrieb oder Betrieb mit Mitarbeitern

Für den Solo-Selbstständigen ist das Baustellenrisiko dasselbe wie für den größeren Betrieb – der Schwerpunkt der Prüfung liegt auf den Wiedereinschlüssen und der Deckungssumme. Mit Mitarbeitern kommen zwei Punkte hinzu: Der Inhaber haftet für Fehler seiner Leute (§ 831 BGB), und die Mitarbeiter müssen als versicherte Personen in der Police stehen. Außerdem wird der Beitrag nach Lohn- und Umsatzgrößen berechnet – wächst der Betrieb oder steigt der Montageanteil, muss das gemeldet werden, sonst droht im Schadenfall eine Lücke zwischen gemeldetem und tatsächlichem Risiko.

Einschätzung Jan Pohl: Die Betriebshaftpflicht ist die Police, über die keiner spricht, bis der erste Personenschaden da ist. Im Metallbau entscheidet nicht die Deckungssumme auf dem Papier, sondern ob Tätigkeitsschäden und die Montagesituation sauber eingeschlossen sind — genau da lese ich in Verträgen zuerst.

Fragen zur Betriebshaftpflicht im Metallbau

Ist eine Betriebshaftpflicht für Metallbaubetriebe gesetzlich vorgeschrieben?

Nein, eine gesetzliche Versicherungspflicht besteht nicht. Faktisch verlangen Auftraggeber und Generalunternehmer vor der Vergabe einen Deckungsnachweis – ohne Betriebshaftpflicht kann die Vergabe im Bau- und Montagebereich scheitern.

Sind Schäden an der Sache versichert, an der ich gerade arbeite?

Nach den marktüblichen Musterbedingungen (§ 4 AHB) sind diese Tätigkeitsschäden im Grundwerk ausgeschlossen. Sie müssen über Besondere Bedingungen ausdrücklich wieder eingeschlossen werden – das ist ein zentraler Prüfpunkt in jeder Metallbau-Police.

Zahlt die Betriebshaftpflicht, wenn mein eigenes Werk mangelhaft ist?

Nein. Der Erfüllungsanspruch – der Anspruch Ihres Kunden auf ein mangelfreies Werk – ist nach den marktüblichen Musterbedingungen ausgeschlossen. Nachbesserung und Neulieferung bleiben unternehmerisches Risiko. Für Schäden, die das fertige, verbaute Werk nach der Übergabe verursacht, ist die Produkthaftpflicht der zuständige Baustein.

Welche Deckungssumme braucht ein Metallbaubetrieb?

Eine pauschal richtige Summe gibt es nicht. Maßgeblich sind die Anforderungen Ihrer Auftraggeber: Nachunternehmerverträge und Ausschreibungen nennen konkrete Mindestsummen. Prüfen Sie Ihre Police gegen den höchsten geforderten Wert – und gegen das Personenschadenrisiko Ihrer Montagetätigkeit.

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Weiterführende Seiten

Quellen und Stand

  • Allgemeine Versicherungsbedingungen für die Haftpflichtversicherung (AHB, GDV-Musterbedingungen), § 4 – Grundausschlüsse für Tätigkeitsschäden und Erfüllungsansprüche.
  • § 634a BGB – Verjährung der Mängelansprüche, bei Bauwerken fünf Jahre ab Abnahme.
  • § 831 BGB – Haftung für Verrichtungsgehilfen.
  • Bedingungsauswertung mehrerer großer Gewerbeversicherer, Auswertung Stand 07/2026.

Die Schadenbeispiele auf dieser Seite sind realitätsnah konstruiert und beziehen sich nicht auf konkrete Schadenakten. Diese Seite ersetzt keine individuelle Prüfung und enthält keine Deckungszusage: Ob Versicherungsschutz besteht, hängt von Tarif, Bedingungen, Entschädigungsgrenzen, Obliegenheiten und dem konkreten Schadenhergang ab. MetallbauSchutz ist eine Marke der Pohl Versicherungsmakler e.K., Jan Pohl, ungebundener Versicherungsmakler, Aachen. Stand: 07/2026.